Grand Dépard

Tour de France

Datacolor Friend with Vision Marcus Schwier mittendrin statt außen vor – hautnah

 Der Grand Départ der diesjährigen Tour de France Ende Juni in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf war ein Großereignis der besonderen Art. 30 Jahre nach dem letzten Tourstart im damals noch geteilten Berlin 1987 begann das größte Fahrradrennen der Welt wieder in Deutschland.

Unser Friend with Vision Marcus Schwier hatte als Düsseldorfer Fotograf die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und verschiedene Stationen fotografiert. Dabei hat er als Künstler der besonderen Atmosphäre seinen Tribut gezollt, indem er sie auch auf eine ganz besondere Art fotografisch festgehalten hat.

Ganz im Stil der alten Meister und entgegen des sonst für die Sportfotografie so typischen Einsatzes von extrem langen Telebrennweiten, entschied er sich bewusst für eine kurze Brennweite. Wie sagte schon Robert Capa, Mitbegründer der Agentur Magnum: „Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.“

Nah genug dran war Marcus auf alle Fälle und so konnte er Vorbereitung, Montage und Paddock fotografisch begleiten. Er hatte bis hin zum Einfahren und dem Start der Tour uneingeschränkten Zutritt hinter die Kulissen.

Unprätentiös unterwegs mit seinem 50mm Normalobjektiv, damit er die Rennatmosphäre der Tour de France so darstellen konnte wie man sie selbst sehen und erleben würde, legte Marcus großen Wert auf das „Normale“.

Für seine intuitive Fotografie verwendet er eine Messsucherkamera. Bei seinen Aufnahmen wird nichts gestellt, nichts wird wiederholt und es ertönt keine Stimme aus dem Off. Stattdessen steht er immer mittendrin und wartet auf den richtigen Augenblick. Diese Kameraart hat den Vorteil, dass das Sucherbild einen Rahmen hat und so sieht der Fotograf eben auch jederzeit genau, was außerhalb der eingerahmten Aufnahme passiert und kann entsprechend antizipieren.

Marcus Schwier ermöglicht uns auf diesem Wege einen Blick auf die Tour de France, die in diesem Falle alles andere als „normal“ ist. Seine Fotografien werden schon direkt schwarz-weiß erstellt. „Schwarz-Weiß-Fotografie ist demokratisierend“, so Schwier. „Damit schaut nicht jeder gleich auf das gelbe Trikot, sondern lässt sich auf Formen, Bildaufbau und die herrschende Atmosphäre ein.“ Bildausschnitte, Helligkeit und Kontraste – neben der Entscheidung für schwarz-weiß – sind somit schon der bei der Aufnahme festgelegt und werden nicht, wie sonst durchaus üblich, in der Bildbearbeitung im Nachgang determiniert. Feinheiten werden, wie früher in der Dunkelkammer üblich, angepasst.

Dabei sind zahlreiche Bilder entstanden, die wir euch nicht vorenthalten möchten – mittendrin statt außen vor – hautnah.

Marcus widmete sich als erstes den Schraubern, die in ihren Montagebussen vor den erstklassigen Hotels, in denen sich die Sportler aufhielten, über ganz Düsseldorf verteilt waren – von der Innenstadt bis hin zum Flughafen. So hatte er einiges an Strecke zurückzulegen. Mit dem Radsport verbindet Marcus ohnehin einiges, kaufte er sich doch sein erstes Rennrad, für das er die ganzen Sommerferien hindurch arbeitete, im Alter von 16 Jahren. Heute steht sein Keller voller Räder und in seiner Freizeit schraubt Marcus immer mal wieder an ihnen herum – daher vielleicht auch die Affinität zu den Schraubern der Tour de France?!

Als nächstes ging es für Marcus thematisch ans Zeitfahren. Die Fahrer, meist mit Kopfhörern in den Ohren, waren hoch konzentriert und völlig in sich gekehrt.

Marcus’ Aufnahmen sind eine Mischung aus Gesamtansichten und Details, wie auch die folgenden Aufnahmen aus der Start-Box. Die Seitenansicht des Fahrerbeins lässt schon erahnen welche Kraft in ihnen steckt. Tatsächlich erlebte Marcus aus nächster Nähe wie hoch der Antrieb tatsächlich war, denn das Hinterrad drehte bei den feuchten Straßenbedingungen durch.

Auch in diesen Bildern zeigt sich wieder die Reduktion aufs Wesentliche, die Marcus Arbeit, unabhängig vom jeweiligen Sujet, auszeichnet. Seine Fotografie ist dabei dokumentarischer Natur, aber es wirkt dennoch fast so, als wäre alles detailliert arrangiert worden.

Entsprechend seiner Bildidee wählt er sein Material im Voraus aus und bei Aufnahmen wie diesen ist es besonders wichtig, sich möglichst unauffällig zu verhalten und den Rennablauf nicht zu stören. Hierbei ist geräuscharmes Equipment hilfreich. Sein 50mm Objektiv hatte er demnach von Anfang an montiert, er führte zur Sicherheit als Ergänzung aber zwei weitere Objektive und eine zusätzliche Kamera mit – schließlich benötigt man einen Plan B für den Fall, dass die ursprüngliche Bildidee vor Ort nicht so umsetzbar ist wie gedacht. Man muss also reagieren können, beispielsweise weil man erst on location erkennt, dass man doch mehr tele- oder weitwinkelartige Aufnahmen benötigt. Marcus war also mit leichtem Zusatzgepäck unterwegs, was sich bei den Menschenmassen, die die Tour de France als Zuschauer erleben wollten, als überaus praktisch erwies. Seine ursprüngliche Bildidee war wie gedacht realisierbar, so dass sein zusätzliches Equipment in der Tasche bleiben durfte.

Weiter ging es zum Zieleinlauf des Zeitfahrens.. Die anwesenden Fotografen standen mit ihren langen Brennweiten an den ihnen zugewiesenen Plätzen und haben die typischen Sportfotografieaufnahmen gemacht. Somit entschied unser Friend with Vision sich dafür, den Fahrer zwischen Fotografenmeute und Zuschauern einzurahmen. Die gesamte Atmosphäre in Düsseldorf, geprägt durch ein sehr gemischtes, internationales Publikum, war etwas ganz besonders.

Zu guter Letzt dokumentierte er den Massenstart zum Rennen nach Lüttich über 202 km. Auch hier wählte er wieder eine ungewöhnliche Perspektive inmitten der Fahrer:

Als sich die Fahrermassen aus der Landeshauptstadt bewegt hatten und mit ihnen auch die durchweg französischen Ordner Düsseldorf verließen, erstarb das stets freundliche „Bonjour“ des Tour de France Teams auf den Straßen und der Hauch Frankreichs, der für wenige Tage am Rhein herrschte, verflüchtigte sich wieder.

Auf die Frage hin, wo er thematisch im Rahmen der Tour de France noch fotografische Herausforderungen sieht, antwortet Marcus: “Porträts finde ich noch ganz spannend. Viele andere Fotos scheinen austauschbar oder sind medial bereits bestens aufbereitet. „Zuschauer sind interessant für mich und natürlich auch Porträts der Fahrer beim Zieleinlauf, aber gerade letzteres ist nicht ganz einfach zu organisieren.“

Wer weiß?! Marcus liebt ja die Herausforderung und vielleicht begeistert er uns demnächst mit ungewöhnlichen Porträtaufnahmen vom Rande der Tour…

Wer dem Rausch der Tour de France verfallen ist und, vielleicht sogar, inspiriert durch Marcus Schwiers Bilder, ungewöhnliche Perspektiven des Radsports liebt, hat noch bis zum 30. Juli die Gelegenheit, die Ausstellung „MYTHOS TOUR DE FRANCE“ des NRW Forum Düsseldorf anzusehen: https://www.nrw-forum.de/ausstellungen/mythos-tour-de-france

Über Marcus Schwier:

Marcus Schwier zählt zu einem der renommiertesten Architekturfotografen. Neben diesem weiten Feld beschäftigt er sich thematisch auch immer wieder mit anderen fotografischen Genres. Seine Arbeiten werden in nationalen und internationalen Ausstellungen gezeigt, seine Architekturfotos werden kontinuierlich in Magazinen veröffentlicht. Allein dieses Jahr stellte er zum Duesseldorf Photo Weekend sowie im Anschluss in Schloss Benrath aus. Zudem waren Marcus’ Werke im Kunstmuseum Singen und in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen (zusammen mit Gerhard Richter, Andy Warhol etc.) zu sehen. Über weitere Ausstellungen halten wir euch auf dem Laufenden. Mehr über Marcus Schwier: http://marcusschwier.net oder www.original-photos.de

 

Tour de France

Datacolor’s Friend with Vision right in the middle of it all – close up and personal

The Grand Départ of this year’s Tour de France in Düsseldorf (North Rhine-Westphalia, Germany) at the end of June was a very special happening. 30 years after the last start in Berlin 1987, which was back then a city still parted by the Berlin wall, the worlds biggest bicycle race got started in Germany again.

Our Friend with Vision, Marcus Schwier, a professional photographer based in Düsseldorf, had the chance to take a look behind the scenes. Being an artist, he paid tribute to the special atmosphere by choosing a very special way of photographing it.

Reminiscent of the old masters of photography and on contrary to the typical use of long telephoto lenses usually used for sports photography, Marcus picked a wide-angle lens on purpose. Like Robert Capa, co-founder of Magnum, once said: „If your pictures aren’t good enough, you weren’t close enough“

And close enough he was. Marcus was able to take pictures of preparations, mounting and paddock. Even until the running-in and the start of the Tour he was able to move around freely behind the scenes.

Being around with his 50mm lens unpretentiously, he wanted to be able to capture the racing atmosphere of Tour de France in a way anybody would be able to see and experience it – his focus was on capturing what’s „normal“.

For his intuitive way of photography he used a rangefinder camera. For his images nothing was previously set-up, nothing was being repeated and nobody gave instructions. Instead, he was right in the middle of things, waiting for the perfect moment. Using this kind of camera offers the advantage of having a frame for the viewfinder. This way, the photographer is able to see what’s happening around him while framing the scene, which allows for anticipation of what will be happening next.

This is why Marcus Schwier allows us to take a look at Tour de France that isn’t what you’d usually get to see. His photographs were taken in black and white right from the beginning. „Black & White Photography is democratizing“, says Marcus. „This way you’re not looking at the yellow jersey immediately, but are open to letting form, image layout and the overall atmosphere sink in.“ Image crops, brightness and contrasts as well as the decision to go for black & white images were determined before taking the image and were not chosen during the process of editing the images afterwards. Fine-tuning is the only thing happening in the darkroom, just the way it used to be done.

The results are several images we’d like to show you as they convey the feeling of being right in the middle of things.

First, Marcus paid attention to the mechanics in their workshop busses in front of all the first class hotels the cyclists stayed at all over Düsseldorf, from the city center right to the airport. This resulted in lots of mileage for Marcus. He’s pretty entangled with cycling anyway, as he bought his first racing bike at the age of 16, paying it with everything he earned during a summer job while he was still in school. Today, his basement is full of bikes and he likes working on them in his spare time – this might well be the reason for his affinity to the mechanics of Tour de France.

Then Marcus worked on the topic of time trials. The cyclists, most of the time equipped with headsets, were highly focused and self-absorbed while listening to music.

The images Marcus created are a mixture of overviews and details, much like the following images from the starting box. The side-view of the cyclists’ leg gives an impression of the power they contain. Marcus was able to witness their impulse as the wet streets caused an incredible back wheel spin.

These images also show a reduction to the essentials that are typical for Marcus, no matter the subject he works on. His photography is documentary, but at the same time leaves the impression everything has been set-up and pre-arranged.

He chooses his material up front in accordance with his idea of the image. For images like these it’s extremely important to act unobtrusively and not to disturb the course of the race. Low-noise photo equipment is very helpful. His 50mm lens was mounted from the beginning to the end, but just for his own peace of mind he had two other lenses with him, as well as a backup camera. You just need a plan B in case your original ideas of taking the images wouldn’t work out for numerous reasons. One has to be able to react, in case you only notice on location that wide angle shots don’t work out. Overall, Marcus was carrying only some extra equipment, which turned out to be the right choice as there were loads of people wanting to view the Tour de France as spectators. Luckily he was able to realize his idea of wide-angle images, so his extra equipment remained untouched.

Marcus then focused on the race towards finish line. The other photographers were using long telephoto lenses, stood where they were told to stand and took the obvious sports images. That’s when Marcus decided to frame the cyclists in between the pack of photographers and the spectators. The vibe in Düsseldorf was something very special due to the public from all over the world.

Last but not least, Marcus captured the mass start of the 202 km long race to Liège, Belgium. Again, he chose an unusual perspective right in between the cyclists:

When the cyclists had left Düsseldorf as well as all the French security members, there was no friendly “Bonjour” to be heard in the city anymore, no more “touch of France” to be felt, which the Tour de France had brought to Düsseldorf temporarily.

Being asked where he still sees photographically challenging topics in regard to the Tour de France he replies: „Portraits are tempting to me. Other images seem to be replaceable and already well processed by the media. Spectators are interesting and also portraits of cyclists crossing the finish line, with the latter being particularly hard to organize.”

Who knows?! Marcus loves a challenge and might thrill us with unconventional portrait images from the tour in future.

If you’re enchanted by Tour de France, inspired by Marcus Schwier’s images or just love uncommon perspectives of cycling, you still have the chance to visit the exhibition „MYTHOS TOUR DE FRANCE“ at NRW Forum in Düsseldorf until July 30th: https://www.nrw-forum.de/en/exhibitions/mythos-tour-de-france

About Marcus Schwier:

Marcus Schwier is a renowned architectural photographer. Next to architecture he focuses on other photographic genres as well. His work is being published in national and international exhibitions, his architecture images are constantly being published in magazines. This year he already exhibited his images during the Duesseldorf Photo Weekend and at Schloss Benrath. His work was also displayed at the Museum of Art in Singen and at the Ludwig gallery at Oberhausen Castle (in an exhibition with images of Gerhard Richter, Andy Warhol and others). We’ll keep you posted about other exhibitions. More about Marcus Schwier: http://marcusschwier.net or www.original-photos.de

Marcus Schwier, image architect. Born in 1964 in Düsseldorf, Germany, Marcus Schwier discovered his fascination for photography while in school. After earning his architecture degree in 1985, he worked in various architectural offices before returning to school in 1993 — this time to formally study photography at the Düsseldorf Art Academy. While at the Academy, Schwier experimented with camera obscuratechniques. Today, the freelancer works on both commercial and artistic projects, concentrating on landscape and architectural photography. Schwier has balanced the artistic work in his studio in Düsseldorf with his global career. On the one hand, he brings the highest standards to the images he shoots as a commercial photographer working on advertising concepts, brochures, and campaigns for such clients as Mercedes Benz, Audi, Thyssen-Krupp, and Deutsche Bank. On the other hand, he doesn’t lose sight of his artistic ambitions and is always looking for new and surprisingly compelling shots. His ground-breaking “Nightshots,” begun using film photography, builds on his Academy experience of shooting long exposures that emphasize the phenomenon of the night itself more than the subjects of the shots. Schwier explains that the nocturnal scene reduces an image to its barest meaning, since the most essential things are already lit; but almost as an afterthought, his long-exposure shots also succeed in bringing light into otherwise pitch-dark corners and niches, uncovering the strangeness of time and moment. Schwier is the recipient of major prizes and awards, including the DG Bank International Photography Award.

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